STARKE HELDEN IN DER LANDWIRTSCHAFT: Isabell Ehgartner

Landwirtin Isabell Ehgartner ist Direktvermarkterin und bewirtschaftet den Hof Giglbauer, der idyllisch in Sankt Marein bei Neumarkt zwischen Grebenzen und Zirbitzkogel eingebettet liegt.
Sie stellt Produkte in Bioqualität her, erlebt durch die Coronazeit mehr Nachfrage und möchte die Wertschätzung für die Landwirtschaft gesteigert sehen. Wo „Zurück zum Ursprung“ viel mehr als ein Motto ist.

Wie lange ist Ihre Familie schon auf diesem Hof bzw. was können Sie uns zur Geschichte des Hofes erzählen?

Der Hof ist kein typischer Erbhof, da die Generationen davor keine Kinder hatten. Deshalb wurden die Eltern meines Mannes zur Übernahme des Hofes adoptiert und zogen 1973 aus ihrer Heimat auf den Hof in St. Marein. Jener wurde von Ihnen bis 2007 weitergeführt. Seit 2007 hat mein Mann den Hof übernommen. Die Idee der Direktvermarktung entstand in der Karenzzeit meiner ersten Tochter. Ich hatte Zeit und Lust, Neues auszuprobieren, und allmählich entstanden so verschiedene Produkte, die bei Familie und Freunden Zuspruch fanden. Also haben wir in kleinen Schritten bis zur heutigen Direktvermarktung per Hofladen weitergemacht. Aus einer „Idee“ entstand eine schöne Herausforderung.

Welchen Stellenwert haben Bio bzw. Nachhaltigkeit bei Ihnen?

Wir sind stolz, dass wir auf unserem Hof alle Produkte biologisch erzeugen können. Es ist für uns das gewisse „i-Tüpfelchen“. Bio heißt für uns Qualität.

 

Welche Produkte erzeugen Sie und was schätzen Sie bzw. Ihre Kunden daran besonders?

Wir sind ein Milchwirtschaftsbetrieb und beliefern die Molkerei. Außerdem haben wir einen kleinen Hofladen. Produziert werden Butter, Joghurt, Steirerkäse sowie verschiedene Mehlsorten und Brot aus eigenem Getreide. Bei unseren Kunden wird Regionales und der Kauf direkt beim Bauern sehr groß geschrieben. Es ist schön, zu spüren, dass Regionalität wieder auflebt, vor allem bei jungen Familien.

Was lieben Sie an Ihrer Arbeit?

Ich schätze es an meiner Arbeit in der Direktvermarktung sehr, dass ich genau nach meinen Vorstellungen arbeiten kann, und teile mir das Wann, Was und Wie nach meinen Kapazitäten ein. Meinen Arbeitsort habe ich ja praktischerweise zu Hause und bin demnach bei den Kindern. Trotzdem ist Vorsicht geboten, dass die Arbeit, weil sie ja vor der Haustür ist, irgendwann auch ein Ende hat.

Wenn Ihnen noch Freizeit übrigbleibt, womit verbringen Sie diese gerne?

Ich verbringe meine Freizeit gerne mit Singen und Musizieren. Da kann ich meinen Kopf abschalten und die Arbeit bleibt im Hintergrund. Ausflüge auf die Alm oder zum hauseigenen Teich mit der Familie sind mir auch wichtig, und das genießen wir natürlich alle zusammen sehr.

Welche Projekte möchten Sie eventuell in Ihrem Betrieb noch realisieren?

Wir haben momentan kein Projekt in Aussicht, denn zurzeit sind wir voll ausgelastet. Wir haben rund 30 Milchkühe und zusätzlich einige Jungrinder, die alle bestens versorgt werden. Auch die Direktvermarktung nimmt eine gewisse Zeit in Anspruch. Und daneben läuft noch unser derzeitiges Projekt „Hausbau“, das wir im heurigen Jahr abschließen werden. Wir haben also alle Hände voll zu tun.

Was hat sich durch Corona an Ihrem gewohnten Alltag geändert bzw. wie gehen Sie damit um?

Der Alltag hat sich für uns nicht wirklich verändert. Zwei von unseren drei Kindern besuchten vor der Coronazeit den Kindergarten. Nun waren alle drei daheim, aber sie sind es gewohnt, dass „Mama“ zu Hause ihre Arbeit hat. So konnten wir unsere landwirtschaftliche Tätigkeit im gewohnten Maße ausführen. Allerdings ist die Nachfrage in der Direktvermarktung wegen Corona gestiegen. Es wird mehr bestellt, also auch mehr produziert. Andere mögen diese Zeit als ruhige Zeit angesehen haben, für uns ist es eher „mehr“ geworden. Wir finden es aber sehr positiv, dass in dieser Zeit vermehrt auf Regionales zugegriffen wurde, und hoffen, dass in der Gesellschaft das „Umdenken“ nicht nur von kurzer Dauer war.

Wie sehen Sie Ihre eigene Zukunft bzw. die des Bauernstandes an sich?

Unsere Gesellschaft ist großteils kaum mit dem Thema Landwirtschaft vertraut. Viele können es gar nicht schätzen, was wir Bauern tun, weil sie sich nicht mit dem Thema auseinandersetzen. Schwer zu sagen, ob es an mangelndem Interesse oder mangelnder Zeit liegt. Es fehlt vielerseits die Wertschätzung. Für die Zukunft wünschen wir uns mehr Interesse am bäuerlichen Tun sowie mehr Wertschätzung und Anerkennung.

Welche Bildungsoffensive bräuchte es aus Ihrer Sicht in der Region?

Wichtige Themen sind für mich die Regionalität, aber auch das bewusste Tun. Mit „bewusstem Tun“ meine ich hier, nicht immer den bequemen Weg zu gehen. Unsere Gesellschaft ist sehr starr im Umgang mit gewissen Themen und Dingen: Beispiel Lebensmittel. Aus Zeitmangel und auch aus Bequemlichkeit wird schnell etwas im Lebensmittelhandel mitgenommen, ohne darüber nachzudenken, woher es kommt oder was drinnen steckt. Oft sind es dann noch Fertigprodukte, denn es muss meist schnell gehen. „Zeit“ hat unsere Gesellschaft heutzutage viel zu wenig. Da müsste meiner Meinung nach ein Umdenken ansetzen, beispielsweise vermehrt regional zu kaufen. Ich denke, die Grundsteine dafür sind von uns Bäuerinnen schon gelegt. Bereits bei den Jüngsten in den Schulen werden immer wieder Themen der Landwirtschaft erarbeitet und deren Wichtigkeit hervorgehoben. Es liegt aber auch an jedem einzelnen, die Wertigkeit der landwirtschaftlichen Arbeit und Produkte zu schätzen.

Danke für das Interview!