Gastronomie wieder geöffnet – einladende Worte eines Wirtes

Über zwei Monate hatten die Gasthäuser – in vielen Orten die kommunikativen wie wirtschaftlichen Zentren – geschlossen. Nun kann man sich wieder „genüsslich“ treffen, unterhalten und mehr. Wir haben bei einem Wirt und Hotelier nachgefragt, wie er und sein Team das „Re-Opening“ erleben. Im Interview spricht Michael Ranzmaier-Hausleitner vom Hubertushof in Zeltweg über Wiedersehensfreude, Lieblingsgerichte und Hilfspakete.

Herr Ranzmaier-Hausleitner, mit welchem Gefühl sind Sie am 15. Mai – dem Tag der Wiedereröffnung – aufgestanden?

Ich würde es als „Realgefühl der neuen Freiheit“ bezeichnen. Und als aufsteigende Hoffnung nach dem Motto „Alles über Null ist positiv“. Nach rund zwei Monaten Stillstand kann ich den finanziellen Entgang inklusive des Folgegeschäfts mit rund 1,5 Millionen Umsatz annehmen. Besonders ins Gewicht fielen hier Catering, Taufen, Hochzeiten & Co. Im Laufe des Tages stellte sich dann das Gefühl „Wow, ich lebe bzw. wir leben wieder“ ein. Ich habe mich über jeden gefreut, der die neue Freiheit wieder genoss und zu uns kam. 40 Gäste in den ersten 2 bis 3 Tagen sind zwar gegenüber den sonstigen 500 Gästen fast nur ein Tropfen auf den heißen Stein – dennoch war jeder dieser Gäste Balsam für die Seele. Mein Fazit lautet: 2020 muss man abhaken und 2021 dann mit weniger Ballast wieder durchstarten.

Was war während der Zwangspause gut bzw. wie konnten Sie die Zeit nutzen?

Die Familie mehr zu sehen, war wirklich toll, was man als umtriebiger Unternehmer sonst kaum schaffen kann. Von unseren Geschäftszweigen war nur mehr „Essen auf Rädern“ aktiv. Ich empfang diese Chance der Rückbesinnung als äußerst angenehm. Auch strategisch herrschte keine Untätigkeit – so haben wir uns neue Ideen für die Zukunft ausgedacht, die Mehrwert fürs Unternehmen, für Mitarbeiter und natürlich für unsere Gäste bieten bzw. die uns auch besser durch eventuell neue Krisen bringen – wobei selbstverständlich zu hoffen ist, dass es bei dieser einen Krise bleibt.

Vor was hatten Sie Respekt bzw. wie konnten Sie die Herausforderungen meistern?

Wir mussten alle Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken, es ging nicht anders. Gleichzeitig war all unser Bestreben klar auf das Ziel ausgerichtet, dass wir die gesamte Belegschaft gut durch die Zeit bringen, um nach dem Lockdown wieder vollständig am Start zu stehen. Meine größte Angst war, dass sich ein Mitarbeiter von „Essen auf Rädern“ ansteckt, wodurch das ganze Team in Generalquarantäne geschickt hätte werden müssen. Das ist gottseidank nicht passiert.

Wie hat Ihr Team die Unterbrechung weggesteckt bzw. auf die neue Normalität reagiert?

Wir haben eine Art Radsystem eingerichtet, wodurch 80% der Mitarbeiter bei „Essen auf Rädern“ beschäftigt waren und 20% sich bei den Sanierungstätigkeiten engagieren konnten. So blieb auch die Bindung zum Betrieb aufrecht, und alle waren eigentlich recht happy mit der Situation. Das Sozialgefüge wurde aufrecht erhalten und niemand kam aus der Übung.

Wie war das Feedback Ihrer Gäste bzw. was waren die meistbestellten Gerichte?

Also, das Fassbier ist jedem abgegangen und essensseitig gehörten Cordon Bleu, Schnitzel, Fisch, Steak und Spargel zu den Top-Sellern. Die Gäste haben sich vor allem darüber gefreut, einfach nur zu genießen, ohne etwas dafür tun zu müssen. Vor allem die Gespräche, auch mit unseren Mitarbeitern, sind ihnen abgegangen. Wo sonst als im Gasthaus bekommt man Gesellschaft, Ambiente und genussvolles Bedient-Werden in einem absolut stimmigen Gesamtbild serviert?

Am Freitag ging der Hotelbetrieb wieder los – was erwarten Sie sich für den weiteren Saisonverlauf?

Nun, wir sind zu einem großen Teil abhängig von Unternehmens- und Eventgästen. Daher wird der Massenansturm noch auf sich warten lassen. Es gibt sehr wohl vereinzelte Buchungen, auch einige Betriebsbesuche, aber ich würde für 2020 hinsichtlich Zimmerauslastung durchaus von einem Rückgang von rund 70% ausgehen. Auch hoffen wir, dass der Homeoffice-Gedanke mit großteils virtuellen Treffen sich nicht permanent durchsetzt, da unsere Branche sonst auf Dauer Volumeneinbußen von geschätzten 30% einfahren könnte.

Wie bewerten Sie die staatliche Unterstützung der Gastronomie?

Ein großes Lob von meiner Seite. Es gab ein unglaublich wertvolles Krisenmanagement – und das in einer komplett einzigartigen Situation, denn die spanische Grippe ist ja über 100 Jahre her. Unsere Branche kann mit den extrem effizienten Lösungsformen wirklich zufrieden sein. Es war sehr wohltuend, den Schutzmantel des Staates zu spüren, den man sonst nur von einzuzahlenden Steuern her kennenlernt – das begann beim ersten Härtefonds und geht jetzt bis zu den langfristigen Maßnahmen. Aber dieses Engagement ist sicher auch gut angelegt, denn immerhin nimmt der Tourismus 15% der Wirtschaftsleistung des Landes ein. Auch wird noch die eine oder andere Spritze nötig sein. Ob und inwiefern die Maßnahmen richtig waren, werden wir erst in ein bis zwei Jahren beurteilen können – hier muss sicher laufend evaluiert bzw. nachkorrigiert werden.

Bis wann sehen Sie den „Corona-Einbruch“ in Ihren Betrieb „ausgebügelt“?

Meine vorsichtige Prognose lautet 2025, wobei damit gemeint ist, dass wir wieder auf dem Stand von 2019 sind. Die Hoffnung allerdings lebt, dass wir es dank der früher angesprochenen neuen Ideen eventuell ein bis zwei Jahre früher schaffen. Dann können wir auch den jetzigen Mitarbeiterstand halten.

Persönliche Abschlussfrage: Waren Sie selbst schon im Gasthaus essen?

Ja, sogar schon mehrere Male. Erstens, weil man jetzt noch mehr Zeit hat, zweitens, weil man auch zeigen will, dass nichts passiert, wenn man essen geht, und drittens, um sich selbst zu belohnen. Darüber hinaus ist es immer nett, die Kollegen zu besuchen bzw. zu schauen, wie die neue Arbeitswelt woanders gelebt wird. Ich sehe optimistisch in die Zukunft und spüre auch bereits eine positive Grundstimmung in der Region, dass es wieder aufwärts gehen wird. Wer an sich und seine Stärken glaubt, der wird es auch schaffen und andere mitreißen – das ist meine Meinung.

Vielen Dank für das Interview!