Stark ist, wer aufs Ganze schaut

Klärschlamm wird es immer geben. Die Frage ist, wie wir künftig damit umgehen. Es liegt an uns, weltweit die Ressourcen sorgfältig zu behandeln. Das wird uns in Zukunft stärken.

Wir in Murau Murtal wollen als Österreichs starke Region mit gutem Beispiel vorangehen und das verwerten, was sonst als nutzloser, problematischer Abfall übrig bleiben würde. Daher werden wir zusammen Wege gehen, wie wir dieses Ziel schaffen. Gemeinsam muss es in letzter Konsequenz möglich sein, das Ideal der Kreislaufwirtschaft zu verwirklichen oder zumindest in naher Zukunft in möglichst hohem Maße zu erreichen. Wir wollen – wie schon in vielen anderen Bereichen – eine Modellregion werden und unter Beweis stellen, dass Ressourcenschonung im Einklang mit gesteigerter Lebensqualität vorlebbar und vor allem realisierbar ist. Dafür treten wir ein und sagen allen, die uns in diesem Prozess begleiten und beflügeln, ein herzliches Dankeschön.

LAbg. Manuela Khom
Vorsitzende Großregion Obersteiermark West
Landtagspräsidentin Steiermark

LAbg. Gabriele Kolar
stv. Vorsitzende Großregion Obersteiermark West
Zweite Landtagspräsidentin Steiermark



Programm

DIGITALES SYMPOSIUM
Von 9 bis 15 Uhr sind die Vorträge der Referenten online auf dieser Seite abrufbar
MODERATION
Wolfgang Eltner
BEGRÜSSUNG & ERÖFFNUNG
Manuela KHOM, Präsidentin Landtag Steiermark
INTENTIONEN UND ZIELE
Projektträger ROW Regionalmanagement Obersteiermark West GmbH, GF Dr. Bibiane Puhl

Online Vorträge


Regionale Wertschöpfung durch innovative Klärschlamm-Verwertung
DI Josef BÄRNTHALER
Energieagentur Obersteiermark
Aktuelle Forschungsprojekte und Technologien zur Nährstoffrückgewinnung an Kläranlagen
Ass.-Prof. Dr. Markus ELLERSDORFER
Forschungsbereich „Renewable Materials Processing“, Montanuniversität Leoben
Anforderungen an das pyrometallurgische Recycling von Klärschlammaschen – Phosphorrückgewinnung mit dem carbo-thermischen RecoPhos-Prozess
Dipl.-Ing. Dr.mont. Christoph Ponak
Lehrstuhl für Thermoprozesstechnik, Montanuniversität Leoben
Technologievorstellung: „Reject to Power“ und Insekten zur Klärschlamm-Verwertung
Dr. Alfred FRIEDACHER
Leiter Forschung und Entwicklung, Christof Project GmbH
Vom Wissen zum Handeln: Klimaschutz in der Steiermark
Mag.a Andrea Gössinger-Wieser
Land Steiermark, A15
Drohnenflugvideo
Impressionen von der Kläranlage Knittelfeld

Powerpoint Präsentationen zum Download


Die Klärschlammstrategie des Bundes
DI Hubert GRECH
Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation & Technologie
Klärschlamm im Sinne eines effizienten Ressourcenmanagements – Ziele und zukünftige Aufgaben
Mag.a Dr.in Ingrid WINTER
Land Steiermark, A14-Referat Abfall- und Ressourcenwirtschaft
Aktueller Stand und zukünftige Herausforderungen zur Klärschlamm-Entsorgung aus Sicht der Kläranlagen
GF Ing. Andreas ZÖSCHER
Gemeinschaft der Steirischen Abwasserentsorger
ab 15.00 Uhr interaktive Themenrunde für angemeldete Teilnehmer
Falls Sie sich kurzfristig noch anmelden möchten ist dies noch bis 14:00 unter office@row-gmbh.at möglich!

DI Josef BÄRNTHALER
Energieagentur Obersteiermark

Regionale Wertschöpfung durch innovative Klärschlamm-Verwertung

Klärschlamm ist eine Begleiterscheinung unserer Zivilisationsgesellschaft, er fällt in kommunalen Kläranlagen bei der Abwasserreinigung in großen Mengen an. Einerseits ist er eine wichtige Ressource, welche wertvolle Rohstoffe wie Stickstoff und Phosphor und auch viel Energie enthält. Andererseits ist er auch mit Störstoffen wie Schwermetallen, Keimen und Viren oder auch Mikroplastik belastet. Daher sind bei einer regionalen Verwertung einige Herausforderungen zu beachten. Im regionalen Projektansatz wurden innovative Lösungen gesucht, welche Rohstoff- und Energiekreisläufe schließen können, aber auch Umweltrisiken minimieren. Auch die Verwertungskosten sollen sich wirtschaftlich darstellen lassen. Dazu wurden im Projektgebiet die Klärschlamm-Mengen und deren Zusammensetzung und Verwertungspfade in den einzelnen ARA erhoben und aufbereitet. Verwertungstechnologien wurden recherchiert und mit Technologieanbietern abgestimmt, und deren Anwendungsmöglichkeiten analysiert. Dabei wurden auch die Energieeffizienz und regionale Synergien erörtert. Betreffend Nährstoffrückgewinnung von Phosphor und Stickstoff erfolgte eine enge Abstimmung mit dem Forschungspartner Montanuniversität Leoben.

Ass.-Prof. Dr. Markus ELLERSDORFER
Forschungsbereich „Renewable Materials Processing“, Montanuniversität Leoben

Stickstoff und Phosphor gehören zu den wichtigsten Pflanzennährstoffen und werden daher in einem hohen Ausmaß als Dünger in der Landwirtschaft eingesetzt. Obwohl die Herstellung dieser Dünger äußerst energieintensiv ist und enorme Ressourcen verbraucht, gehen gleichzeitig große Mengen an Stickstoff und Phosphor über das Abwasserentsorgungssystem verloren bzw. werden unter hohem Energie- und Kostenaufwand an Kläranlagen entfernt, anstatt sie zu nutzen. Derzeit beschäftigen sich viele Forschungsprojekte damit, diese Nährstoffe durch neue Verfahren rückzugewinnen und wieder dem industriellen Kreislauf zuzuführen, um die aufwendige Primärproduktion von Stickstoff und Phosphor zu verringern. Der Vortrag gibt einen Überblick über die aktuellen Möglichkeiten zur Nährstoffrückgewinnung an Kläranlagen und zeichnet ein mögliches Bild, wie die Rolle der kommunalen Abwasserreinigung zukünftig neu gedacht werden könnte.

Dipl.-Ing. Dr.mont. Christoph Ponak
Lehrstuhl für Thermoprozesstechnik, Montanuniversität Leoben

Anforderungen an das pyrometallurgische Recycling von Klärschlammaschen – Phosphorrückgewinnung mit dem carbo-thermischen RecoPhos-Prozess

In zahlreichen Studien wird dem Recycling von Phosphor aus Klärschlammaschen das höchste Phosphorrückgewinnungspotential zugeschrieben. Auf dem Weg des Klärschlamms hin zur Asche über Entwässerung, Trocknung und Monoverbrennung kommt es zur Anreicherung des Elements in den Verbrennungsaschen bei ausgezeichneten Transferkoeffizienten. Im entsprechenden Vortrag im Zuge des Symposiums „Regionale Wertschöpfung durch innovative Klärschlammverwertung“ geht es um den Weg von den Anforderungen, die das komplexe Reaktionsverhalten von Phosphor an die Thermoprozesstechnik stellt hin zu den Lösungen durch entsprechende Grundlagenbetrachtungen.

Dr. Alfred FRIEDACHER
Leiter Forschung und Entwicklung, Christof Project GmbH

Leiter Forschung und Entwicklung, Christof Project GmbH

Die REJECT to POWER Technologie wurde zur thermischen Verwertung von problematischen Reststoffen speziell für kleine Verbrennungsanlagen entwickelt. Das Kernelement dieser Technologie ist die innovative Verbrennungskammer, in welche der Brennstoff über ein Schleuderrad eingebracht wird. Das Verfahren stellt eine Kombination aus der „Flugphasen Verbrennung“ (ähnlich zu Wirbelschicht Technologie) und der Rostverbrennung dar. Durch Insekten, wie die „Schwarze Soldatenfliege“, können organische Abfälle einem Nährstoffrecycling zugeführt werden, welche anschließend als hochwertige Proteinlieferanten für die Tierfütterung verwendet werden können. Industrielle Anlagen dazu sind derzeit weltweit in Umsetzung. Es stellt sich nun die Frage: Können die Technologien kombiniert werden?

DI Hubert GRECH
Klimaschutzministerium

Die Klärschlammstrategie des Bundes

Phosphor ist eine essentielle und nicht substituierbare Ressource, die für die Sicherung der Nahrungsproduktion auf nationaler und globaler Ebene unverzichtbar ist. Zugleich ist Phosphor auch in der Liste der kritischen Rohstoffe für die Europäische Union aufgeführt. In den österreichischen kommunalen Klärschlämmen sind relativ große Mengen an Phosphor enthalten, die derzeit nur zu einem geringen Anteil genutzt werden. Im Bundesabfallwirtschaftsplan 2017 wird daher als Ziel für die zukünftige Klärschlammbewirtschaftung festgehalten, dass eine Phosphorrückgewinnung aus kommunalen Klärschlämmen unter weitgehender Zerstörung bzw. Schaffung verlässlicher Senken für die im Klärschlamm enthaltenen Schadstoffe zu erreichen ist. Als vielversprechendste Technologie dafür ist eine Monoverbrennung von Klärschlamm und Phosphorrückgewinnung aus der Verbrennungsasche anzusehen.

Mag.a Andrea Gössinger-Wieser
Land Steiermark, A15

Vom Wissen zum Handeln: Klimaschutz in der Steiermark

Die Steiermärkische Landesregierung hat am 16. November 2017 die Klima- und Energiestrategie Steiermark 2030 beschlossen. Darin wird der strategische Rahmen festgelegt, wie die Steiermark den internationalen und nationalen Verpflichtungen in der Energie- und Klimapolitik nachkommen will. Mit der steirischen Formel werden die anspruchsvollen Ziele bis 2030 konkretisiert. Abgeleitet von den darin formulierten Schwerpunkten und Maßnahmenbündeln entlang von acht thematischen Bereichen wurde im Sommer 2019 der erste Aktionsplan zur Umsetzung beschlossen. Alle drei Jahre wird der Aktionsplan einer Revision unterzogen und zusätzlich wird jährlich an die politischen Entscheidungsträger über den Status der einzelnen Maßnahmen berichtet. Damit soll die Umsetzung der Maßnahmen gewährleistet werden.

Mag.a Dr.in Ingrid WINTER
Land Steiermark, A14-Referat Abfall- und Ressourcenwirtschaft

Klärschlamm im Sinne eines effizienten Ressourcenmanagements – Ziele und zukünftige Aufgaben

Klärschlamm ist ein nicht zu vermeidender Abfall, der bei der Abwasserreinigung anfällt. Für seine Bewirtschaftung sind daher die abfallrechtlichen Vorgaben anzuwenden. Diese beinhalten die Verpflichtung zur möglichst hochwertigen Verwertung und zur Verringerung von Schadstoffen in den Materialkreisläufen. Das Land Steiermark hat bereits in der Klärschlammstrategie 2006 verankert, dass eine Kombination aus thermischer Klärschlammverwertung und einer Rückgewinnung des essentiellen – und mittlerweile „kritischen“ – Rohstoffs Phosphor inbesonderem Maße den abfallwirtschaftlichen Zielen und Grundsätzen entsprechen würde. In diesem Sinne gibt der Landes-Abfallwirtschaftsplan Steiermark 2019 als Ziele u.a. eine Erhöhung der Ressourceneffizienz durch aufeinander abgestimmte Nutzungskaskaden von Abfällen sowie die Schaffung bevorzugt regionaler Wertschöpfungsnetze vor.

GF Ing. Andreas ZÖSCHER
Gemeinschaft der Steirischen Abwasserentsorger

Aktueller Stand und zukünftige Herausforderungen zur Klärschlamm-Entsorgung aus Sicht der Kläranlagen

Bis 2030 wird angestrebt, dass 65 bis 85 % des in Österreich anfallenden kommunalen Klärschlamms einer Phosphorrückgewinnung zugeführt werden. Aufgrund der im Klärschlamm enthaltenen Schadstoffe, wie beispielsweise Hormone und endokrin wirkende Substanzen, pathogene Keime, Arzneimittelrückstände, Schwermetalle, Mikroplastik und Nanomaterialen, ist jedoch die landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm für die Zukunft nicht gesichert. Über 50 % der anfallenden kommunalen Klärschlämme werden derzeit schon verbrannt. Das Ziel für die zukünftige Klärschlammbewirtschaftung ist daher, eine Phosphorrückgewinnung aus kommunalen Klärschlämmen unter weitgehender Zerstörung bzw. Schaffung verlässlicher Senken für die im Klärschlamm enthaltenen Schadstoffe zu erreichen. Als vielversprechendste Technologie dafür ist eine Monoverbrennung von Klärschlamm und Phosphorrückgewinnung aus der Verbrennungsasche anzusehen, wobei für die Verbrennung ausnahmslos die Vorgaben der Abfallverbrennungsverordnung (AVV) einzuhalten sind.