Interview mit Simone Wallner – Mehr Damen in technischen Berufen

Schon in ihren Jugendjahren hat sie sich dazu entschlossen den Beruf der Elektrotechnikerin zu erlernen. Nun arbeitet sie im Familienbetrieb Elektro Markolin in Neumarkt.

Interview mit Simone Wallner

Unternehmen: Elektro Markolin, Neumarkt, Familienunternehmen
Beruf: Elektrotechnikerin
2 Kinder, verheiratet
Alter: 30

Wie bist du zum Beruf gekommen und was ist deine Ausbildung?

Mit 15 Jahren habe ich entschlossen den Beruf der Elektrotechnikerin zu erkunden. Nach einem Probemonat bin ich im Betrieb meiner Eltern direkt in die Lehre eingestiegen. Die Berufsschule für Elektrotechnik findet in Voitsberg statt und ist wohl eine der schwierigsten Lehrberufe, die es in Österreich zu erlernen gibt. Insgesamt sind 4 Berufsschuleinheiten zu absolvieren – die Lehrzeit beträgt 3,5 Jahre. Zu den Hauptfächern in der Berufsschule zählen Mathematik und Technik. Die Berufsschulzeit war für mich eine besonders herausfordernde. Es braucht dafür viel Engagement und Ausdauer. Aber wer diesen Beruf erlernen möchte, kann dies auf jeden Fall schaffen.

Starke Frauen prägen unsere Region heute sichtbar – waren die Frauen in Murau Murtal schon immer stark oder hat irgendwann ein Wandel, auch in der Wahrnehmung, stattgefunden?

In meiner Lehrzeit waren wir insgesamt 2 Mädchen in der gesamten Berufsschule! Das war im Jahr 2007. Aktuell ist es für mich erkennbar, dass hier ein Wandel im Gange ist und sich immer mehr Mädchen und Frauen auch für technische Berufe begeistern können. Vor einigen Jahren war hier noch nicht so eine Dynamik spürbar wie heute.

Was hat sie dazu begeistert, einen technischen Beruf auszuüben? War das schon immer so oder wie wurden Sie darauf aufmerksam?

In Sachen Strom gibt es immer wieder Herausforderungen aber die Arbeit an sich macht mir sehr viel Spaß. Es war zwar nicht immer ganz einfach und ich hatte zwischenzeitlich auch oft schwere Momente oder Zweifel. Vor allem wenn man als junges Mädchen auf Großbaustellen kommt, die ja wirklich eine  Männerdomäne sind. Ich wurde zu Beginn oft komisch und schief angeschaut, aber da musste ich einfach drüberstehen und mir nichts anmerken lassen. Das war für mich dann absolut nie ein Problem.

Wie viele Lehrlinge bei euch sind bereits Mädchen.

Ich bin die einzige Dame bis heute, die bei unserem Betrieb Elektrotechnikerin gelernt hat. Insgesamt hatten wir bisher 10 Lehrlinge. Aktuell haben wir einen Lehrling und suchen aktiv einen weiteren. Leider ist der Fachkräftemangel wirklich spürbar und es ist sehr schwierig Lehrlinge zu bekommen. Wir brauchen einfach jemanden, daher nehmen wir noch einen zusätzlichen Lehrling auf. Wir bekommen immer seitens der PTS Murau interessierte Schüler:innen weitergeleitet, die bei uns ihre berufspraktischen Tage machen. Im Zuge dieser kommen wir mit den Schüler:innen ins Gespräch und merken dann auch gleich, ob dieser Beruf für ihn oder sie wirklich etwas wäre. Die Zusammenarbeit mit der PTS funktioniert wirklich sehr gut und wir konnten schon Lehrlinge von dort beziehen.

Gab es für Ihren Beruf Vorbilder aus Kindes und Jugend?

Mein großes Vorbild war mein Papa. Als meine Eltern damals ihr Haus gebaut haben, durfte ich schon mithelfen. Ich durfte Steckdosen reinschrauben, Lampen montieren und Material zugeben. Das hat mir einen ersten Einblick in diesen Beruf gegeben und bei mir mein erstes Interesse geweckt. Somit ist dieser Beruf seit meiner Kindheit schon immer ein Thema.

Welche Initiativen und Maßnahmen wären ihrer Meinung nach zielführend, vermehrt Frauen in der Technik zu fördern?

Ich glaube durch Sensibilisierung in den Medien durch solche Interviews können andere Frauen für technische Berufe begeistert und motiviert werden, sich drüber zu trauen wirklich Ihrem Interesse zu folgen. Ich persönlich kenne wenige Frauen, die einen technischen Beruf ausüben oder diesen gelernt haben.

Für welche Projekt machen Sie sich zurzeit stark bzw. was ist demnächst geplant?

Bei mir ist es so, dass ich zur Zeit hauptsächlich im Büro arbeite, im technischen Zeichnen tätig bin und bei der Angebotserstellung mitarbeite.

Ich habe gleich nach der Lehre die Unternehmerprüfung und die Meisterprüfung gemacht. Diese dauerte zwei Jahre und wurde beim Wifi Klagenfurt absolviert. Das war für mich näher als Graz. Die Ausbildung wird auch nicht jedes Jahr angeboten, aber für mich hat das so gut gepasst. Die Termine sind täglich von  17-21 Uhr. Hier hat mich meine Familie und der Familienbetrieb sehr unterstützt. Ohne diese Hilfestellung wäre die Umsetzung nicht möglich gewesen. Der Rückhalt von der Firma war wesentlich, da ich es sonst nicht einmal bis 17 Uhr nach Klagenfurt geschafft hätte.

Wo muss „frau“ heute noch extra stark sein, wo herrscht schon Gleichstellung?

Es kommt die Gleichstellung immer mehr. Aber wenn man in den Zeitungen von Gleichberechtigung liest, ist es bis heute noch nicht so, dass Frauen und Männer gleich viel verdienen. Aus meiner Sicht ist hier eine Verbesserung im Gange, langsam aber spürbar.

Wie stehen Sie zu Vereinbarkeit Familie & Beruf? Braucht es in der Region hierfür mehr oder Veränderungen?

Als Frau oder vor allem mit Kindern ist das ein großes Thema. Ich persönlich habe meine Kinder nicht fremdbetreuen zu lassen. Ich habe einen sehr guten Rückhalt in der Familie und in der Firma, was sicherlich bei anderen Frauen und Familien nicht so der Fall ist. In unserer Firma war es bis jetzt sonst noch nie ein Thema, dass Mitarbeiter in Teilzeit oder Karenz gehen möchten.

Allerdings ist es in meiner Familie so, dass mein Mann und ich uns die Karenz geteilt haben und wir sehr davon profitiert haben. Wir würden es sicher immer wieder so machen. Für uns als Familie war es sehr wichtig, dass mein Mann auch zu Hause war und uns unterstützt hat und vor allem zu Beginn beim ersten Kind war ich dafür sehr dankbar. Mein Mann arbeitet bei der ÖBB und es wurde von Beginn an unterstützt, dass er in Karenz geht. Diese Zeit hat uns als Familie zusammengeschweißt. Wir sind den Betrieben auch sehr dankbar, dass dies so gut funktioniert hat!

In welchem Bereich empfinden Sie sich besonders als stark?

Meine Stärken sind wohl mein offener Zugang auf Menschen, das ich gerne plane und Menschen gerne berate. Das Finden von gemeinsamen Lösungen macht mir am meisten Spaß.

Was macht Sie stark in der Region Murau Murtal?

Mein Vorteil besteht darin, dass sowohl mein Mann als auch ich kurze Wege zur Arbeit haben. Wir leben sehr gerne in dieser Region, für uns wäre ein Wegzug undenkbar. Meine Familie und ich fühlen uns hier wirklich sehr wohl und genießen es hier zu wohnen und zu leben.

Was möchten Sie den Frauen in unserer starken Region mitgeben?!

Frauen und Mädchen sollten sich einfach öfters drübertrauen! Jeder kann im Prinzip in einem Betrieb einen Probemonat vereinbaren um sich ein genaueres Bild zu einem Lehrberuf machen zu können. Im Anschluss daran gleich die Chance ergreifen und einmal etwas Neues/Anderes/Untypisches ausprobieren. Also: EINFACH DRÜBERTRAUEN!

 

Die Firma Elektro Markolin ist seit 1996 ein verlässlicher Partner für Privat- und Gewerbekunden. Mit dem ersten Mitarbeiter 1996 und dem ersten Lehrling 1997 wurde der Grundstein für den Erfolg des Familienbetriebes gelegt. Um den anspruchsvollen Kundenwünschen noch besser gerecht werden zu können, erfolgte 2007 der Umzug in das neu errichtete Firmengebäude in Altenbach bei Neumarkt i d. Stmk. Wir können in unserer Unternehmensgeschichte stolz auf 8 ausgebildete Lehrlinge zurückblicken. Durch den ständige Wachstum suchen wir aktuell eine:n ausgebildete:n Elektrotechniker:in.