Stark durch die Krise: Tourismus in Murau Murtal

Es geht wieder aufwärts – und wir schauen nach vorne

Vom Lock-down zum Let´s-rise-again: Im Winter kam Österreichs starke Region mit einem blauen Auge davon, dann folgten über zwei Monate des totalen Stillstandes. Doch jetzt scharrt der Tourismus wieder kräftig in den Startlöchern. Das Ziel: Die Sommersaison mit zumindest 80% der Nächtigungen vom Vorjahr zu absolvieren und starke Standbeine weiter zu forcieren. Karl Schmidhofer, Nationalratsabgeordneter und Vorsitzender der Urlaubsregion Murau Murtal, im Interview.

 

Herr Schmidhofer, wie groß waren die wirtschaftlichen Einbußen der Wintersaison?
Eigentlich verlief die Wintersaison bis 15. März relativ gut, wobei man Folgendes differenzieren muss: Während die kleineren Skigebiete schon vor oder mit dem Lock-down geschlossen haben, ist in größeren Skigebieten natürlich die Frühjahrssaison ausgefallen. Insgesamt registrieren wir ein 7%iges Nächtigungsminus gegenüber dem Vorjahr. In den Monaten April und Mai konnten wir nur sehr wenige Nächtigungen erzielen. Was am meisten schmerzt: Der ausgefallene Betrieb am Red Bull Ring.

Wie bewerten Sie die Sommersaison – falls überhaupt möglich – vorab?
Wir in Murau Murtal sehen trotzdem optimistisch in die Zukunft, weil es ja jetzt nur bergauf gehen kann. Darum haben wir auch starke Werbemaßnahmen gemeinsam mit dem Regionalverband, dem Steiermarktourismus und der Österreichwerbung gesetzt. Besonders stolz sind wir, dass uns die Weltmeisterin Nici Schmidhofer gerade jetzt als Testimonial unterstützt. Meiner Einschätzung nach werden wir dadurch für die Sommersaison ungefähr 80% der Nächtigungen im Vergleich zu den Vorjahren erreichen.

Wie sehen Sie die kommenden Jahre – ist das vom jetzigen Zeitpunkt aus schon abschätzbar?
Im Vergleich zu anderen Regionen gibt es bei uns viel weniger COVID-19-Fälle, und wir hoffen, dass das auch so bleibt. Mit unseren Almen und Bergen, Naturpark und Badeseen sowie dem Radfahren und Wandern sowie den über 100 Ausflugszielen in der Region sind wir positiv gestimmt.

Welche Betriebe gehören zu den Verlierern bzw. kann es auch Gewinner geben?
Wie überall hat es Betriebe in der Event- und Nachtgastronomie durch viele Ausfälle besonders schwer getroffen. Aber auch bei den großen Playern wie dem Red Bull Ring fehlten uns hunderttausende Besucher, und die lassen sich nicht so einfach kompensieren. Aber auf der anderen Seite gibt es Gewinner unter den kleinen und mittleren Tourismusbetrieben: So profitieren vor allem Urlaub am Bauernhof, Hüttendörfer und Campingplätze, die zumeist so gut wie noch nie nachgefragt werden. Was dahintersteht: kleine private Einheiten geben den Gästen ein besonders Sicherheitsgefühl.

Stellen Sie ein Umdenken bei Touristen und auch bei Touristikern fest?
Das Credo ‚Weniger Flugreisen und Kreuzfahrten‘ wird wohl noch eine Weile andauern, davon profitieren wir. Gleichzeitig wird der nachhaltige Tourismus anziehen, wofür wir hier in Murau Murtal bereits die besten Voraussetzungen besitzen. Gleichwohl möchte ich anmerken: Das Virus ist nicht auf Urlaub – daher bitte ich alle, Betriebe wie Gäste, um die nötigen Vorsichtsmaßnahmen, damit wir die neue Freiheit auch weiterhin ohne Rückfall genießen können. Mit nicht wenig Stolz auf unsere gute Basis darf ich sagen, dass wir den Weg konsequent weiterbeschreiten werden, den wir immer schon gegangen sind. Wir fühlen uns durch die Krise in unserem Kurs und in unseren Werten bestätigt, nämlich dass es nur mit Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und Behutsamkeit einen gesunden sowie krisenresilienten Tourismus in der Region Murau Murtal geben wird, bei dem wir sogar als Gewinner hervorgehen können.