Oliver Andreas Macheiner: Interview mit einem Elementarpädagoge

Oliver Andreas Macheiner hat den Karriereweg der Elementarpädagogik eingeschlagen und könnte sich ein Leben ohne die Arbeit mit seinen Schützlingen kaum mehr vorstellen. In unserem Interview lesen Sie mehr zu seinen Lebensweg.


Interview mit Herrn Macheiner

Name: Oliver Andreas Macheiner
Aktuell in einem Gemeindekindergarten tätig
Beruf: Elementarpädagoge
Wohnort: Scheifling
Alter: 23

Stellen Sie Ihren Ausbildungsweg bitte vor. Wie sind Sie zum BAFEP Kolleg gekommen?

Ich habe einen HAK-Abschluss, danach den Grundwehrdienst in Zeltweg beim Bundesheer absolviert. Direkt danach bin ich in das Kolleg Judenburg eingestiegen. Ich wusste nach dem Bundesheer eigentlich noch nicht genau, was ich arbeiten möchte oder ob ich noch eine Ausbildung machen sollte. Ich versuchte mich einfach am Eignungstest des Kollegs, von dem ich durch meine Schwester erfahren habe. Meine Schwester hat zur damaligen Zeit gerade die fünfjährige BAFEP Judenburg besucht. Der Eignungstest hat geklappt und ich wurde aufgenommen. Beim Test musste ich ein Lied vorsingen und mit der Gitarre vorspielen. Ich musste im Turnsaal einen Parcours schaffen, eine Geschichte weitererzählen und etwas Zeichnen. Es kommt in diesem Beruf aber auch ganz viel auf die Persönlichkeit an. Die Elementarpädagogik hat ganz viel mit Empathie zu tun. Im sozialen Miteinander und in der Kommunikation muss man sehr gut bewandert sein. Man hat mit sehr vielen Menschen, jungen Erwachsenen, genauso wie mit älteren Personen zu tun.

Was zeichnet Sie als besonders guter Kindergartenpädagoge aus?

Ich bin ein sehr empathischer Mensch und habe sehr viel Geduld im Umgang mit Kindern und eigentlich für jeden Menschen ein offenes Ohr. Das war schon immer so. In meinem Beruf ist das eine sehr wichtige Eigenschaft, die man unbedingt mitbringen sollte. Wir arbeiten mit Kindern, aber auch mit jüngeren Eltern bis hin zu den Großeltern.

Was schätzen Sie an Ihren kleinen Schützlingen?

Ich finde es immer wieder sehr bestätigend, dass ein Mann bei den Kindern einen so guten Anklang findet. Ich war begeistert, wie schnell mich die Kinder ins Herz geschlossen haben. Das hat mich begeistert. Es war eigentlich für den Gemeindekindergarten ziemliches Neuland. Ich bin der erste Mann, es war schon etwas sehr Besonderes für die Kinder.

Welche Erlebnisse beflügeln Sie in Ihrem Job? Wie schätzen Sie die Wirkung Ihrer Person (leider gibt es ja nicht so viele Männer in der Kindergartenpädagogik) auf die Kinder und Kolleginnen ein?

Ich finde es immer wieder toll, wenn ich Kindern neue Angebote vermittle und ich dann das Glitzern in den Augen sehe, wenn sich Kinder für etwas ganz Besonderes interessieren. Wenn Kinder dann das Gelernte in die Tat umsetzen, macht mich das schon stolz. Auch dann, wenn die Kinder zu Schulanfänger werden und wir diese dann gut in die Schule begleiten können, freut uns das sehr und macht uns sehr stolz. Die Kinder sind dann auch sehr wertschätzend im Umgang mit mir. Ich muss noch sagen, dass mein Start in die Arbeit recht schwierig war. Am Land ist man es gar nicht gewohnt, dass ein Mann diese Tätigkeit ausübt. Zu Beginn war schon Skepsis von Seiten der Eltern und auch von manchen PädagogInnen spürbar. Aber mittlerweile muss ich sagen, dass ich von allen gut akzeptiert werde und ein super Miteinander herrscht. Ich hoffe, dass es in ein paar Jahren keine Seltenheit mehr ist, am Land als Pädagoge zu arbeiten – vor allem ohne Vorurteile. Im privaten Umfeld war es nie ein Problem oder gab es nie Vorurteile, eher im beruflichen Kontext. Wenn man mich besser kennt, schwindet die Skepsis schnell.

Welche Initiativen und Maßnahmen wären ihrer Meinung nach zielführend, vermehrt Männer für Kinderbetreuung zu erreichen?

In erster Linie wäre es nur fair, wenn bessere Bezahlung in dieser Berufssparte umgesetzt werden würde. Auch wäre eine Änderung des Personal – Kind – Schlüssels für verbesserte Praxis von Vorteil. Oft ist es im Falle von Krankenständen eine große Herausforderung eine Ersatzperson zu finden. Dies wird durch den aktuellen Personalmangel noch verstärkt. Natürlich wäre es auch für Männer von Vorteil, über Vorurteile von Männern in der Pädagogik aufzuklären. Wie zum Beispiel: ‚Frauen sind für die Erziehung zuständig‘ oder ‚Frauen sind die besseren KindergärtnerInnen…‘. Ich persönlich finde schon, dass Kinder schon auch männliche Bezugspersonen brauchen. Männer haben oft andere Blickweisen wie Frauen. Hier ist eine Ergänzung durch einen Mann in gewissen Bereichen sicher nicht immer schlecht.

Wie sieht es in der Praxis aus, zieht es die Jungen in der Gruppe mehr zu Ihnen?

Im Kindergarten ist es komplett gemischt, egal ob Jungen oder Mädchen, alle haben eine Freude, wenn wir Zeit miteinander verbringen, neue Angebote erproben oder etwas gemeinsam werkeln. Die Burschen finden es schon cool, aber die Mädchen genauso. Hier merke ich keinen Unterschied.

Für welches Projekt machen Sie sich zurzeit stark bzw. was ist demnächst geplant?

Also coronabedingt ist die Planung von größeren Projekten etwas schwierig. Mir persönlich ist es wichtig, dass die Kinder zurzeit einen schönen und normalen Kindergartenalltag genießen dürfen. Ich versuche auch, die Themen der Kinder aufzugreifen und mich auf diese Themen zu konzentrieren. Externe Personen dürfen zurzeit nur mit besonderen Auflagen in den Kindergarten bzw. gar nicht. Ausflugstechnisch lassen wir den Sommer nun auf uns zukommen und schauen, was uns dieser bringt, welche Möglichkeiten sich dann wieder für uns auftun.

In welchem Bereich empfinden Sie sich als besonders stark?

Meine Stärke ist bestimmt der Umgang mit anderen, auch das Musizieren macht mir sehr viel Freude. Ich spiele bereits seit sieben Jahren Gitarre und hatte dadurch in meiner Ausbildung einen Vorteil gegenüber anderen. Im Umgang mit den Kindern hatte ich da keine Vorbilder. Meine Eltern und Großeltern waren mir ein Vorbild für ein gutes Miteinander.

Was hat Murau Murtal Ihnen fürs Leben mitgegeben?

Ich bin in Tamsweg geboren und mit circa einem Jahr in die Krakau gezogen, dort aufgewachsen. Ich würde schon sagen, ich bin sehr heimatverbunden. D.h. die Heimatverbundenheit hat mir die Region schon mitgegeben. Auch die Ausbildung durfte ich in der Region machen.

Wo sehen Sie sich in 10 Jahren?

In 1o Jahren sehe ich mich als Familienvater. Beruflich möchte bei der Arbeit mit Kindern bleiben, weil es mir sehr viel Spaß macht. Es ist zwar ein sehr fordernder Beruf. Als Kindergartenpädagoge/In hat man sehr viel Vorbereitungszeit und Planung. Es ist zwar ganz wichtig, nicht auf sich selbst zu vergessen, aber es ist gar nicht so einfach.

Was möchten Sie InteressentInnen noch mitgeben?

Der Beruf selber ist super, sehr vielseitig und jeder Tag ist anders! Was man sich aber bewusst sein muss, wir ElementarpädagogInnen tragen sehr viel Verantwortung. Man hat Verantwortung über die PädagogInnen, Helferinnen, man muss schauen, dass die Tage gut durchgeplant und gut getaktet sind, wir sind auch Sprechrohre zwischen Kindern und Eltern. Ich würde den Beruf sicher empfehlen, für alle Menschen, die sehr kreativ sind, die sehr musikalisch sind und im Werken gut sind. Auch die sprachliche Ausdrucksweise muss sehr gut gegeben sein, da die Kinder von uns sehr viel lernen. Auch das Zwischenmenschliche ist sehr wichtig, dass man sich gut mit anderen verständigt und mit allen gut auskommt.

Was möchten Sie den Burschen und Männern in der Region noch mitgeben?

Ich finde einfach, dass sich Männer auch mehr trauen sollten, man(n) sollte sein Vorhaben durchziehen, wenn man Lust drauf hat! Zum Beispiel beim Frisörberuf dasselbe, es ist ein sehr kreativer Beruf aber trotzdem machen ihn fast nur Frauen. Jeder der Elementarpädagoge/In werden möchte, sollte die Ausbildung machen.

 

Vielen Dank für das tolle Interview!

Informiert euch jetzt über die BAFEP Judenburg

Start des viersemestrigen Kollegs: Beginn Februar 2021  (Anmeldefrist läuft – Eignungsprüfung am 02.07.2021).

Online-Infoveranstaltung am 22.06.2021.

Mehr Informationen und Anmeldung dazu auf www.bafepjudenburg.at .