Interview mit Isolde Seirer-Melinz - Frauen Region Ehrenamt

Mit dem Projekt „Frauen Region Ehrenamt“ setzt Isolde Seirer-Melinz, gebürtige Frohnleitnerin, als Geschäftsführerin des Steirisches Volksbildungswerk ein starkes Ziel: das Ehrenamt soll ein unverzichtbarer Teil der Lebensqualität jeder:jedes Einzelnen werden und erlebbar gemacht werden.


(c) Doris Sporer

Bitte stellen Sie sich kurz vor:

Mein Name ist Isolde Seirer-Melinz (44). Ich bin gebürtige Frohnleitnerin und wohne mit meinem Mann Christian Seirer seit drei Jahren, nach Stationen in Wien und Salzburg, sehr gerne wieder hier.
Meine Berufslaufbahn ist sehr bunt, sie begann als Gewandmeisterin am Theater, vor 18 Jahren habe ich am zweiten Bildungsweg Volkskunde studiert, später noch berufsbegleitend Marketing und Sales. Seitdem war ich in verschiedenen Bereichen der Öffentlichkeitsarbeit in Kulturbetrieben tätig.
Seit November 2019 bin ich, als erste Frau nach der Vereinsgründung 1956, Geschäftsführerin im Steirischen Volksbildungswerk. 2021 wurde ich zur Erwachsenenbilderin zertifiziert.
Zu meinen Ehrenämtern: Ich war über mehrere Funktionsperioden Mitglied des Vorstands im Österreichischen Versuchssenderverband – Landesverband Steiermark und während meines Studiums in der Österreichischen Hochschüler:innenschaft tätig.

Sie sind Geschäftsführerin des Steirischen Volksbildungswerks – was sind Ihre Tätigkeiten?

Das Steirische Volksbildungswerk ist eine Erwachsenenbildungseinrichtung mit derzeit 216 (institutionellen) Mitgliedern und drei sehr engagierten und hoch qualifizierten hauptamtlichen Mitarbeiterinnen. Unsere Hierarchien sind sehr flach, da wir alle gleichermaßen aktiv in den Projekten mitarbeiten. Als Geschäftsführerin bin ich vor allem im Bereich der strategischen Planung, Projektkonzeption, -akquise und im Qualitätsmamagent tätig. Auch die kaufmännischen Agenden sind der Geschäftsführung zugeordnet, etwa das Controlling, Abrechnungen, Jahresabschlüsse, Verträge. Seit Anfang 2022 bin ich darüber hinaus auch Chefredakteurin der vom Steirischen Volksbildungswerk herausgegebenen Zeitschrift steirische berichte.

Wie bringen Sie durch Ihre Tätigkeit die Region Murau Murtal voran?

Unser Ziel als Steirisches Volksbildungswerk ist es in den nächsten Jahren, das Ehrenamt als unverzichtbaren Teil der Lebensqualität jeder:jedes Einzelnen zu positionieren und erlebbar zu machen. Diese Vision setzen wir mit unseren Auftraggeber:innen um, das ist beim Projekt Frauen Region Ehrenamt die Abteilung Bildung (Fachabteilung Gesellschaft, Referat Frauen) des Landes Steiermark.
Mit der Pilotinitiative im Bezirk Murau stellen wir die Frage danach, welche Rahmenbedingungen Ehrenamtliche konkret in der Region brauchen, um auch in Zukunft ihren Hobbys mit Begeisterung nachgehen zu können und wie ein Engagement im Verein auch die Gleichstellung fördern könnte. Um in diesem Zusammenhang Akzente zu setzen, haben wir bewusst die Region Murau ausgewählt, da die Vereinslandschaft hier unglaublich vital ist. Auch die murauerInnen haben schon Wesentliches für die Sichtbarkeit von Frauen in der Region geleistet.
Wir arbeiten auf Basis der Community Education, das heißt, wir erheben in einem ersten Schritt die besonderen Bedürfnisse der Menschen im Ehrenamt mit einem Online-Fragebogen, gehen in zwei regionalen World Cafés in einen Austausch dazu und werden an zwei Workshoptagen mit 15 Personen das Engagement von Frauen im Verein weiter sichtbar machen, etwa durch das Vorstellen von Strategien zur partizipativen Vereinsführung oder auch zur Konfliktlösung. Parallel zum Workshop möchten wir eine Kinderbetreuung anbieten, um den Zugang möglichst barrierefrei zu gestalten.

Sie beziehen sich im Projekt „Frauen Region Ehrenamt“ auf ein Handlungsfeld der Gleichstellungsstrategie vom Land Steiermark. Um was geht es da genau? Warum braucht es aus Ihrer Sicht überhaupt eine Gleichstellungsstrategie? Was macht aus Ihrer Sicht Frauen stark?

Aus Sicht unseres Projekts kann ich das so beantworten: Ein Verein lebt von seiner Diversität, hier kann sich jede:jeder mit ihren:seinen ganz besonderen Kompetenzen und Fähigkeiten einbringen, etwa als Fachexpert:in, als Repräsentant:in oder als auch als Schatzmeister:in. Der Verein ist also ein geschützter Raum, wo vieles ausprobiert werden kann und diese Erfahrungen fließen dann wieder in den Beruf oder ins Privatleben ein. Frauen bringen sich seit jeher intensiv ins Vereinsleben ein, sie sind aber leider nicht so sichtbar, wie ich mir wünschen würde. Wir möchten das gerne weiterentwickeln, indem wir nicht die Frauen „verändern“, sondern ihnen Mut machen und auch Anregungen für die Umgestaltung von Strukturen geben, in denen sich Frauen wohl fühlen und eine Stimme haben.
Die Gleichstellungsstrategie des Landes wirkt in verschiedene Aktionsfelder. Ein wesentliches Feld sind die Regionen, denn: „Fehlen die Frauen, fehlen die Familien, stirbt die Region“. Frauen brauchen ein Umfeld, das es ihnen ermöglicht, in der Region zu bleiben, darunter qualifizierte Arbeitsplätze, Kinderbetreuung, Freizeitmöglichkeiten. Die Gleichstellungsstrategie leistet einen wesentlichen Beitrag, dieses Bewusstsein in der Öffentlichkeit zu verankern und konkrete Aktionen einzuleiten, die darauf abzielen, wiederum in die Gesellschaft hineinzuwirken, um ein zukunftsorientiertes Miteinander zu schaffen.
Und darüber hinaus, so hoffe ich, können in Zukunft auch mehr Frauen – mit Lust am Gestalten – dafür begeistert werden, (kommunale) Führungsverantwortung zu übernehmen und damit sich damit jene Kompetenzen und Fähigkeiten (beruflich) zu eigen machen, die sie schon in Vereinen so erfolgreich erlernt haben.