Interview mit Cornelia Jäger zur Ausbildung in der BAFEP

Die Ausbildung an der BAFEP ermöglichte es Cornelia Jäger nun die stolze Leiterin der PiPaPo Kinderkrippe in Judenburg zu werden.


Interview mit Frau Jäger

Name: Cornelia Jäger
Arbeitet in der Kinderkrippe BIBABO Judenburg
Ist von Beruf: Pädagogin und Leiterin der Krippe

Was ist Ihr erster Ausbildungsweg und wie sind Sie zum BAFEP Kolleg gekommen?

2009 habe ich an der HAK Judenburg maturiert, danach war ich im kaufmännischen Bereich tätig. Im Anschluss absolvierte ich noch eine Ausbildung als Tagesmutter, später arbeitete ich in der Kinderkrippe als Betreuerin. Es folgte die berufsbegleitende Ausbildung am BAFEP Kolleg, wodurch ich mich als Leitung der Krippe positionieren konnte.

Wodurch sind Sie eine besonders gute Kindergartenpädagogin?

Ich denke, durch meinen beruflichen Werdegang bringe ich sehr viel mit. Ich finde, es ist ausschlaggebend, mit welchem Alter man sich für einen Beruf entscheidet. Der Job im Büro – im Bereich der Buchhaltung – hatte für mich nicht so den Sinn. Und das ist in einem sozialen Beruf ganz etwas anderes, wenn man mit Menschen oder mit Kindern arbeitet, weil man in diesem Bereich sehr viel zurückbekommt. Im Kindergartenbereich merkt man, dass ich meinen Beruf mit Liebe und Leidenschaft mache, und nicht nur als reinen Job sehe. Was aus meiner Sicht auch wichtig ist, dass man Kinder respektiert, auf die Gefühle eingeht und emphatisch ist. Der Beruf darf nie zur Routine werden, sonst ist mal falsch in einem Sozialberuf.

Was schätzen Sie an Ihren kleinen Schützlingen?

Einfach die Ehrlichkeit, die Kinder einem entgegenbringen. Wirklich gerade heraus… Auch dass Kinder so wissbegierig sind, jeden Tag neues dazulernen und das noch auf spielerischer Art. Dies verlernen wir im Alter leider. Kinder können sich auch an kleinen Dingen erfreuen.

Welche Erlebnisse beflügeln Sie in Ihrem Job?

In der Kinderkrippe haben wir auch Kinder ab 0 oder ½ Jahr. Hier ist der Körperkontakt sehr wichtig und man wird eine wichtige Bezugsperson. Es ist schön zu sehen, wenn sich Kinder über uns freuen, und uns ihr Vertrauen schenken.
Ich werde bis September in Karenz sein, mein Kleiner ist nun 3 Monate alt. Ich brauche den Job auch. Natürlich ist das Elternsein auch sehr schön, aber ich bin auch auf den Beruf angewiesen. Der Vorteil bei mir ist natürlich, dass ich das Kind in die Arbeit mitnehmen kann. Die Kombination fällt mir wahrscheinlich leichter als anderen Müttern und Vätern. Mein Partner ist Polizist und ist nicht in Karenz.

Wie bringen Sie durch Ihre Tätigkeit die Region voran?

Kinderkrippe ist wohl die erste Bildungseinrichtung, die unsere zukünftigen Erwachsenen aus Murau Murtal besuchen. Eine gute Bildung im Kindergarten bzw. in der Krippe ist wohl die beste Voraussetzung für die weitere Schullaufbahn. Wir lernen vor allem das soziale Miteinander, es werden die Familien immer kleiner – mehr Einzelkinder, daher ist uns das soziale Miteinander sehr wichtig. Damit die Mütter wieder besser und schneller in den Beruf zurückfinden können, ist unser Angebot für die Region wesentlich. Bestimmt gibt es manche alterserweiterte Kindergärten, jedoch mit begrenzten Angeboten. Zurzeit kann eine Frau fast nicht mehr drei Jahre in Karenz gehen, da der Bedarf am Arbeitsmarkt gegeben ist. Leider gibt es in der Region sehr wenige Tagesmütter und –väter für flexible Kinderbetreuung, hier ist ein großer Bedarf sichtbar, dies melden uns sehr viele Eltern. Meistens sind es halt die Frauen, die um dringende Kinderbetreuung bitten. Zu lange weg zu sein vom Job kann man sich als Elternteil fast nicht mehr leisten.

Der Gedanke, dass die Frau alleinig für die Kinderbetreuung zuständig ist, ist in unserer Region noch stark verankert. Hier bräuchte es mehr Sensibilisierung in der Bevölkerung. Zumeist gehen die Frauen in Karenz, hier bräuchte es mehr Männer, die sich für die Karenz begeistern würden. Bei mir ist mein Mann zwar im öffentlichen Dienst, wir können es uns nur leider auch nicht leisten, dass er den Papamonat nutzt, oder in Karenz gehen würde.

Starke Frauen prägen unsere Region heute sichtbar – waren die Frauen in Murau Murtal schon immer stark oder hat irgendwann ein Wandel, auch in der Wahrnehmung, stattgefunden?

Ich denke, die Frauen waren immer schon stark – siehe Kriegsjahre, die Trümmerfrauen. Frauen haben schon in der Historie immer ihren Beitrag geleistet. Aber das Bild der Frau und die gesellschaftliche Position waren eine andere. Es hat sich zwar bereits verbessert, ich würde mir jedoch wünschen, dass sich da noch viel mehr tun würde.

Welche Initiativen und Maßnahmen wären Ihrer Meinung nach zielführend, vermehrt Männer für Kinderbetreuung zu erreichen?

Ja, die Anerkennung vom Beruf der KindergartenpädagogIn müsste sich verändern. Es ist nicht nur eine Aufbewahrung von Kindern, sondern es ist die erste Bildungseinrichtung für Kinder. Dieses „spielts halt a bisserl, aber passts auf, dass sich keiner wehtut…“ ist wohl das gängige Verständnis unserer Arbeit. Egal ob im Kindergarten, Kinderkrippe oder bei Tageseltern. Bei uns privaten Trägern haben wir einen Mindestlohntarif, somit kann man nachsehen, was wir verdienen…. Wir sind nach wie vor in keinem Kollektivvertrag, wir sind also nicht im Sozialwirtschaft – Kollektiv, sondern Mindestlohn. Ich arbeite 40 Stunden. Man muss diesen Job aus Liebe und Leidenschaft, also mit Herz machen, wegen dem Geld geht man diesen Beruf bestimmt nicht an.
Viele Männer sind vielleicht auch abgeschreckt, weil fast nur Frauen die Ausbildung am BAFEP machen. Zu meiner Zeit war nur ein Mann in der Ausbildung, der hat diese dann zwischenzeitlich beendet und nicht fertig gemacht.

In welchem Bereich empfinden Sie sich besonders als stark?

Berufliche sehe ich mich in meiner Tätigkeit wieder, insbesondere in meiner Funktion als Leiterin. Ich finde es sehr gut, wenn man bereits mehrere Berufswege hinter sich hat – man bringt einfach mehr Erfahrung mit. Auch das Organisationstalent, sowie die Genauigkeit sind meine Stärken. Dies braucht eine Leitung einer Kinderkrippe, denn die Bürotätigkeit darf in unserem Bereich nicht unterschätzt werden. Der Aufwand in der Bürokratie wird laufend mehr, die Eltern werden zudem anspruchsvoller. Ich weiß zwar nicht an was es liegt, aber man muss sich als Träger immer mehr gegenüber den Eltern absichern. Es kann heutzutage immer mehr passieren, dass nicht ein direktes Gespräch mit einem selber erfolgt, sondern gleich aufs Land angerufen wird und man sich über uns beschwert – dann bekommt man vom Land eine Rückmeldung, dass es Beschwerden gibt. Deswegen sichern sich die Träger nun auch mehr ab und es muss viel mehr dokumentiert werden. Wenn ein Kind krank wird, erkundigen sich die Eltern bei uns was dem Kind am Vortag im Garten angezogen wurde, weil wir könnten ja schuld sein, dass ein Kind krank wird. Ein Problem bei den Kleinkindern ist es ja auch, dass sie sich noch nicht mitteilen können. Es ist kein Gespräch möglich. Ein Trend von gestressten Eltern ist immer mehr gang und gäbe. Die Kinder müssen funktionieren, da ja auch die Eltern funktionieren müssen – dies ist ein schrecklicher Trend.

Was hat Murau Murtal Ihnen fürs Leben mitgegeben?

In der Region Murau Murtal gelten meine Wurzeln, meine Familie und der Bezug zur Natur als Kraftquellen.

Können Sie das BAFEP Kolleg weiter empfehlen und was möchten Sie Menschen mitgeben, die sich für die Ausbildung interessieren aber vielleicht noch unentschlossen sind?

Für mich war der große Vorteil, die Ausbildung in der Nähe zu haben. Für mich war es auch sehr wichtig, eine Ausbildung zu finden, die einen glücklich macht. Man muss wieder zu lernen beginnen und ist dann zwischendurch bestimmt auch gestresst. Auch wenn man überlegt aufzugeben – der Weg zahlt sich auf jeden Fall aus – man kann dafür in einem Beruf arbeiten, der einem Spaß und Freude bereitet.

Was möchten Sie uns noch am Ende mitgeben?

Mein Appell an alle PädagogInnen: Sich immer wieder der Reflexion der eigenen Arbeit widmen. Unsere Arbeit wird immer anspruchsvoller… Das Interesse an dieser Arbeit ist leider auch schwindend. Für meine Karenzvertretung gab es nur drei Bewerbungen. Dies ist die höchste Stelle, die man im Kindergartenbereich bekommen könnte und mit 40 Stunden/Woche eigentlich sehr interessant. Wir mussten die Stelle zweimal ausschreiben – also die Personallukrierung im KindergartenpädagogInnenbereich ist sehr, sehr schwer.

Vielen Dank für das tolle Interview!

Mehr Informationen zur BAFEP Judenburg

Start des viersemestrigen Kollegs (Beginn Februar 2021, Anmeldefrist läuft) Mehr Informationen und Anmeldung dazu auf www.bafepjudenburg.at

 

Ansprechperson:

Frau Dir. Mag.a Irmgard Greinix
Tel. 05 0248 049 200
irmgard.greinix@bafepjudenburg.at